Jos Som: „Kerkrade ist meine Stadt. Mein Heim!“

Nach fast zwei Jahrzehnten geht der Kerkrader Bürgermeister Jos Som zum 01. Mai in den wohlverdienten Ruhestand

Kerkrade ist und bleibt seine Stadt. Eurode ist für Jos Som ein Muss. Sein Appell an die Menschen im Grenzgebiet: „Denkt die Grenzen weg!“

Eigentlich sollte Jos Som schon zum 01. Januar 2019 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet werden. Ende 2000 wurde er von der Königin, d.h. vom zuständigen Minister zum Bürgermeister von Kerkrade berufen. Davor war er über 13 Jahre als Beigeordneter in Didam/Gelderland tätig, anschließend über 6 Jahre als Bürgermeister von Gulpen und später kam noch Witten dazu. Sein Ruhestand ist derzeit nicht aufgehoben aber aufgeschoben. Da noch kein Nachfolger für den 67jährigen Verwaltungschef gefunden wurde, bleibt er im Amt bis eine Ernennung erfolgt. „Die Gespräche mit den Bewerbern werden derzeit mit Vertretern unseres Gemeinderates geführt. Sie sind geheim. Mir ist nicht bekannt, wer in der engeren Auswahl ist. Der Gemeinderat unterbreitet seinen Vorschlag  dem Kommissar des Königs und der Minister verkündet dann die Entscheidung. Voraussichtlich zum 01. Mai 2019 wird der neue Bürgermeister sein Amt antreten“, erläutert Som. Er ist stolz auf das Ergebnis seines langen Wirkens als erster Kerkrader Bürger, das ist deutlich aus seinen Worten herauszuhören: „Ich habe mit Unterstützung vieler Mitstreiter viel erreicht. Was ich machen konnte, hab ich gemacht!“ Er betont im Interview, wie wichtig es ist, dass man Vertrauen in seine Kollegen und Projektpartner hat - so kann man einen starken Rücken und eine solide Tragfläche für gemeinsame Aktionen schaffen. (Anmerkung: Zwischenzeitlich wurde die Kerkraderin Petra Dassen-Houssen für das Bürgermeisteramt in Kerkrade vorgeschlagen / Stand März 2019)

„Was ist mir die Stadt wert?“

Das war und ist die zentrale Frage, die Som sich tagtäglich stellt, um diese - „seine“ - Stadt nach vorne zu bringen. Auf der Liste seiner bemerkenswertesten Projekte steht die Eröffnung des Gaia-Zoos im Jahr 2005. „Eine Stadt muss ihren Bürgerinnen und Bürgern etwas bieten, sie müssen etwas erleben können. Dazu gehört ein interessantes Kultur- und Freizeitangebot. Man muss in die sozial-ökonomische Infrastruktur investieren, um die Stadt für die Menschen interessant zu machen.“ Täglich ist Som mit einem Notizbuch und Kugelschreiber unterwegs. Für Anregungen oder Kritik aus der Bevölkerung hat er immer ein offenes Ohr. Seine Mitarbeiter schätzen den Umgang mit ihm als offenen und fairen Kollegen sehr. Som: „Ich brauche durchaus auch kritische Leute, die mich schon mal an der Jacke ziehen.“

Sein Leitsatz:

„Op Kerkrade wordt men niet verliefd maar ga je von houden. Ik hou van deze stad en haan inwoners!“ (Sie werden sich nicht in Kerkrade verlieben, aber Sie werden es lieben. Ich liebe diese Stadt und ihre Einwohner!)

"Es gibt viel Geld - man muss nur einen guten Plan haben“

Jos Som hatte diesen Plan.  Er nahm sich ein tatkräftiges Team zur Seite und ging den Ausbau der Innenstadt an, mit dem Ziel, den Kerkradern ihren Stolz zurück zu geben. Kerkrade war Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine der reichsten Städte der Niederlande bevor der Abschwung kam. Som, der Sohn eines Bäckers, weiß aus eigener familiärer Erfahrung, was es bedeutet immer dienstbar zu sein. Er hatte eine Vision  für Kerkrade: „Wir machen es! Die Menschen haben mir vertraut. Die Stadt ist für mich und meine Familie immer gut gewesen. Die Menschen hier haben mich immer geschützt, wie eine Decke. Empathie spielt eine ganz entscheidende Rolle.“ Stolz ist Som auf das HuB - die modernste Bibliothek der Niederlande - mitten im Kerkrader Stadtzentrum. Damit wurde ein attraktiver Treffpunkt für alle Menschen am Marktplatz geschaffen.

„Ich weiß, was arbeiten bedeutet und was Risiko ist. Man muss abwägen und entscheiden!“

Ob als Unternehmer oder Staatsdiener - Risiko und Nutzen müssen bei jeder Aktion abgewogen und es müssen Entscheidungen getroffen werden. Eine zunächst einsame Entscheidung traf Som mit der Skulptur „Viva la Vida“ die 2017 im Kerkrader Stadtzentrum installiert wurde. Mit großer Skepsis wurde seine Idee aufgenommten, eine überdimensionale farbenfrohe Skulptur in Auftrag zu geben. Er hatte den spanischen Künstler Ripollés kennen gelernt und ihm gesagt: „Ich möchte eine Skulptur für Kerkrade, die Hoffnung, Musik, Farbe, das WMC und die Zukunft der Stadt miteinander verbindet. Sie muss etwas Besonderes darstellen.“ Das Projekt kostete 200.000 Euro. Er beauftragte den Künstler und beschaffte das Geld hierfür auf unkonventionelle Art und Weise. Er ließ 200 kleine Skulpturen von „Viva la Vida“ fertigen. Die Kunstwerke wurden veräußert und die Finanzierung der großen Statue war gesichert.

Abwägen und entscheiden war für ihn auch immer ein Thema rund um die „Coffee Shops“. Er selbst hat die Einrichtung befürwortet unter der Prämisse, dass dort kein illegaler Handel betrieben wird. Ansonsten wurde der Betrieb geschlossen. „Wir haben die Thematik im Griff, aber wir können Sie nicht vollständig lösen“, so Som.

Offen spricht er auch über das Reizthema „Golfplatz“, das die Gemüter schon sehr erhitzte. „Solche Veränderungen bringen anfangs immer Skepsis mit sich. Doch man sollte zuhören und sie nicht rigoros für die Zukunft ablehnen und verurteilen.“

„EURODE ist ein Muss“

Die „somerische“ Sprache gehört für den Kerkrader Bürgermeister zu Eurode. Er hat diesen Mix aus deutscher und niederländischer Verständigung mit einem Hauch von Kirchroaer-Dialekt kreiert und ihn bei jeder Gelegenheit gerne praktiziert. „Damit wurden die Menschen auf meine Sprache aufmerksam. Eurode ist für mich ein absolutes Muss und ein Symbol für die erfolgreiche Zusammenarbeit in der Euregio. Themen wie Lebensqualität, Liebe, Klima, Sicherheit hören nicht an der Staatsgrenze auf. Jeden „Zentimeter“, den man gemeinsam erreicht hat, muss man feiern. Die kleinen Fortschritte sind wichtig. Man muss selber immer Vorbild sein. Ich bin überzeugt davon, dass mein Nachfolger das fortführen wird. Wir leben zusammen, wir teilen zusammen und müssen uns gegenseitig vertrauen. Ich bin Europäer und ich bin stolz hier zu wohnen. Dabei sollten wir uns immer vor Augen halten, wie viele Alltäglichkeiten uns die Europäische Gemeinschaft erleichtert hat und wie es früher einmal war. Die Menschen müssen die Vorteile spüren und die Grenzen wegdenken.

„Kirchroa ist Kirchroa“

Jos Som strahlt sichtlich, wenn er von seiner Arbeit berichtet. „Ich bin fast nie zu Hause.  Die Arbeit ist meine Liebe. Die Menschen hier haben mir ihr Vertrauen gegeben. Diese Stadt ist mein Heim. Kerkrade ist ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann.

Sobald ich im Ruhestand bin, werde ich erst mal meinen Kopf frei machen und von Groningen nach Maastricht wandern. Ich werde mich intensiv meiner Frau und meiner gesamten Familie widmen. Kunst sammeln und Musik machen gehören dazu. Ich liebe das Leben - da wird sicherlich keine Langeweile aufkommen.

Sein Appell an die Herzogenrather:

                „Kommt oft nach Kerkrade und genießt EURODE!“

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Jos Som für die vielen hervorragenden Jahre bester  grenzüberschreitender Zusammenarbeit und wünschen ihm von Herzen alles Gute für seinen baldigen Ruhestand!

Das Interview führte Petra Baur, Pressesprecherin der Stadt Herzogenrath.

Foto: Pressestelle Stadt Herzogenrath

Datum:06.03.2019

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